Irgend etwas müssen die Kesseltaler bei ihren Vorbereitungen für die Veranstaltung falsch gemacht haben, oder hatten sie den Göttern nicht genügend geopfert?
Alles war so perfekt vorbereitet, die neue permanente Bahn, ein riesiges Festzelt mit VIP-Lounge, und einer Bühnenbeleuchtung und – beschallung, wie bei Tina Turner, ein großes Fahrerfeld, Ehrengäste, Sponsoren, wirklich alles perfekt vorbereitet.
Und dann weinte der Himmel, lang und nachhaltig. Hatte man am Samstag noch gehofft, daß es eine vorübergehende Laune des Wettermachers wäre, musste man später einsehen, daß alle Hoffnungen zu nichte gemacht wurden. Gepflegter Landregen in der Nacht
und auch am Sonntag keine Besserung. Da halfen auch die guten Wünsche und der Segen des Herrn Pfarrer anläßlich der Streckeneinweihung nichts. Übrigens, viele empfanden es als eine tolle Idee, die neue Anlage mit einem Festgottesdienst an der Strecke
einzuweihen. Altes Testament und Autocross, wer hätte da an Parallelen gedacht. Der Gemeindepfarrer hatte welche gefunden.
Das Qualifikationstraining hatte bereits am Samstag stattgefunden, so daß einigermaßen pünktlich mit den Wertungsläufen begonnen werden konnte.
Den Anfang machten wie immer die Cross-Karts und die Juniorkarts der Klassen 5, 6a und 6c.
Auf Grund der Bahnverhältnisse wurde die Distanz von der Rennleitung von 6 auf 4 Runden verkürzt.
In der Klasse 6c waren neben Werner Hartig, Patrick Krüger, auch wieder der Reutlinger Michael Maier vertreten. Dahinter die Junioren, Sabrina Straub, Stefan und Willi Schulze und Sönke Glöde.
Hartig kam blendend vom Start weg und baute schnell seinen Vorsprung aus. Schon in der ersten Runde mußte Krüger abstellen, Maier trotzte dem Schlamm immerhin 3 Runden. Hartig also wieder einmal souveräner Sieger. Bei den Junioren fielen zuerst
Sabrina Straub und dann Willi Schulze der Bahn zum Opfer. Sönke Glöde kämpfte verbissen mit Stefan Schulze und konnte sich mit 26 Sekunden Vorsprung behaupten.
Im zweiten Wertungslauf, der übrigens auf Wunsch der Fahrer getrennt gestartet wurde, bei den „Wahlberechtigten“ ein ähnliches Bild wie beim ersten Lauf. Hartig allein auf weiter Flur, Krüger und Maier schieden in der ersten Runde aus.
Zum Finale traten dann nur noch die Junioren an. Hier setzte sich Stefan Schulze mit etwa 30 Sekunden vor Sönke Glöde in Szene. Sabrina Straub war wie schon in den Wertungsläufen völlig chancenlos. Der Giftzwerg schlitterte mit ihr über die Bahn als
wäre es eine Rodelmeisterschaft.
Klasse 1 Serientourenwagen
Mußte man am Vortag beim Training noch zwei Startgruppen bilden, hatte sich am Renntag durch einige Abmeldungen das Starterfeld auf eine Gruppe reduziert. Interessant wurde die Sache, da sich die mit gleicher Punktzahl in der Meisterschaft Führenden
Ruppel und Bendix in der ersten Startreihe befanden. Beim Start ist zunächst Ruppel der Erste, aber das Rennen wird wegen Karambolage abgebrochen. Beim Restart hat Bendix die Nase vorn und gewinnt das Ganze vor Ruppel. Dieser zeigt sofort nach Laufende
beim Rennleiter einen Frühstart von Bendix an. Der wird verwarnt und der Lauf später wiederholt.
Beim nunmehr dritten Versuch gewinnt wieder Ruppel den Start und läßt Bendix keine Chance. 20 : 17 also für Ruppel.
Im zweiten Lauf das gleiche Bild. Ruppel vor Bendix, Spielstand 40 : 34. (ohne Zusatzpunkte) Im Finale dann volle Konzentration bei Domenic Bendix. Er gewinnt den Start und dreht diesmal den Spieß um. Markus Ruppel fährt zunächst weit hinterher,
vernascht aber Einen nach dem Anderen seiner Vorderleute. Platz zwei ist sein Lohn und somit ist er mit 5 Punkten Vorsprung gegenüber Bendix der eindeutige Gewinner dieses Wochenendes.
Klasse 2 Supertourenwagen
Auch in dieser Klasse gab es eine Reihe von Abmeldungen. So fehlten am Sonntag z. B. so interessante Leute wie Hermann Röben jr. oder das Schlüchterner Nachwuchstalent Leipold.
Im ersten Wertungslauf gewann der Lokalmatador und mit einer Veranstaltungslizenz fahrende Erich Schön im Mazda 323 Turbo vor Rene Schlöffel, dem für das Green Team startenden Dusslinger Jörg Hausch, Denis Vesper, Martin Fürst und Thomas Kunert.
Allerdings konnten nur die ersten drei die volle Rundenzahl von vier absolvieren, die anderen schafften nur deren drei.
Auch im zweiten Lauf dominierte Erich Schön und gewann vor Schlöffel, Vesper und Kunert. Letzterer wiederum mit einer Minusrunde.
Im Finale das gleiche Bild. Erich Schön, vor Rene Schlöffel, Denis Vesper und Stefan Buck, der trotz seiner Ausfälle in Wertungslauf 1 und 2 ins Finale geschlüpft war.
Klasse 3 Spezialautocrossfahrzeuge bis 1400 ccm
Nachdem Carsten Riemenschneiders Reparatur am Antriebsstrang sich als nicht ausreichend gezeigt hatte und er bereits im Training wieder am Start stehen blieb, waren es noch vier Streithähne die sich zum ersten Wertungslauf dem Starter stellten.
Daniel Naumann erwischte den besten Start und entzog sich somit allem Nachfolgendem. Seine drei Mitstreiter verhedderten sich bereits in der ersten Runde und Naumann fuhr unbedrängt seinen 21,5 Wertungspunkten entgegen.
Auch im zweiten Lauf dominierte der Siegbachtaler, hatte allerdings in Frank Meinzel einen hartnäckigen Verfolger der nur 17 Sekunden später über den Zielstrich fuhr. Mirko Fiedler im Suzuki Eigenbau erbte mit 39 Sekunden auf den Zweiten den dritten
Platz.
Klasse 4 Spezialautocrossfahrzeuge über 1400 ccm
Acht große Spezialcrosser sollten es eigentlich sein. Zwei traten, wegen der Umfeldeinflüsse, erst gar nicht an, der Rest wurde vom neuen Vizeeuropameister Mathias Behringer beherrscht.
Im ersten Lauf betrug Behringers Vorsprung auf Erich Faul über 40 Sekunden. Hochachtung an Volker Schlag, der es den Jungen zeigte, daß er nichts an Können und Kampfkraft verloren hat. Er war Faul immer auf den Fersen und kam als Dritter ein. Christian
Freischlad und Michael Straub vervollständigten den Zieleinlauf. Carsten Schlöffel verlor sich sehr früh in der Schlammwüste und kam nicht in Wertung.
Im zweiten Lauf ein ähnliches Bild. Behringer, Faul, Straub, Schlag, Schlöffel war die Rangfolge, wobei zwischen dem Zweiten und Dritten wieder fast ein halbe Minute lag.
Finale der Spezialautocrossfahrzeuge
Spannend sollte es noch mal zum Finale der „Spezies“ werden. Immerhin stand Behringer und Faul ganz hinten. Mit einem furiosen Start wurde diese Reihenfolge bereits am Start von Behringer geändert. Dort wo die Bahn nicht breit genug war fuhr Mathias
eben „im“ Wall und war nach wenigen Metern Zweiter. Der Rest war dann nur noch Formsache. Michael Straub, vorn gestartet, feuerte genügend Schlamm auf die Nachfolgenden, so daß denen die Lust am Überholen verging. Frank Meinzel holte wichtige Punkte
für die Meisterschaft. Gleich dahinter dann jedoch Erich Faul. Daniel Naumann hatte die Schlammschlacht bereits nach 2 Runden satt und strebte Richtung Parc Fermé. Immerhin, Frank Meinzel fuhr mit seinem Eigenbau die schnellste Runde mit
43.048km/h (!).
Bleibt als Resümee die Feststellung, daß die rührigen Kesseltaler ein solches Rennwochenende nicht verdient hatten. Es sollte alles so perfekt ablaufen und war auch perfekt organisiert und dann dieser Regen bei diesem Untergrund. Bleibt nur ein
aufmunterndes „Kopf hoch“ zu wünschen. Auf ein Neues in 2006 und dann strahlender Sonnenschein.
Eberhard Rast





